Die wendische Tracht im Spreewald

 

Über Trachten im Spreewald...

Die wendische Tracht, die wegen ihrer Häufigkeit im Spreewald auch Spreewaldtracht genannt wird, lässt sich immer einer bestimmten Region, einem Kirchspiel oder gar einem einzigen Ort zuordnen. Die Tracht zeigte auch eindeutig, über welche finanziellen Möglichkeiten ihre Besitzerin verfügte. So war der Stoff mal aus Brokat oder eben auch mal nur aus Leinen. Einen Mantel oder einen Überwurf kannte die wendische Frau nicht. Wenn es mal sehr kalt war, trug die Frau eine sogenannte Polka, eine gefütterte taillierte schwarze Jacke mit Schloss.

Die Tracht wurde bis in die 30-iger Jahre des letzten Jahrhunderts tagtäglich von allen Frauen getragen. Die zunehmende Weltoffenheit, ein anderer Lebensstil und sicherlich auch modische Fragen sowie die recht teuren Anschaffungskosten ließen die farbenfrohe Tracht immer seltener im Alltag erscheinen. Man ging nicht mehr "wendisch" sondern "deutsch", wie es im allgemeinen Sprachgebrauch genannt wurde. Lediglich zu Festtagen, und das nun erfreulicherweise wieder zunehmend, kommt der Spreewaldtracht wieder Bedeutung zu. Viele Vereine, u.a. auch der Radduscher Heimat- und Trachtenverein, haben sich der Pflege dieses Brauchtums verschrieben.

...und in Raddusch

In Raddusch waren bis zum 1. Weltkrieg einige sehr wohlhabende Bauern ansässig und wohl auch deshalb bevorzugten deren Frauen in ihrer Tracht etwas Besonderes. Man wollte sich schließlich von der (ärmeren) Nachbarschaft abgrenzen, und das ging besonders durch möglichst viel zur Schau getragenem Luxus in der Kleidung. Zeitweilig wurden sogar zwei Schürzen über den Rock gebunden, dazu holte man sich aus Berlin ( Fa. Herzog - königl.-kaiserl. Hoflieferant) sehr teure Stoffe, Spitzen und Bänder.
Die Taille umschloss oft ein reich mit Perlen bestückter Gürtel (dieser wurde nur von den Radduscher Frauen getragen!) und hinten auf dem Rock war eine schöne lange Schärpe befestigt.

Die Radduscher Haube bestand (wie die Burger Haube) aus 3 Teilen und gehörte zu den größten Hauben im Spreewald. Sie war bunt gewirkt, bedruckt oder mit schönen Mustern bestickt. Steifes Papier oder Gaze gaben der mit Stecknadeln im Haar befestigten Haube gewünschten Halt und Form. Nur noch sehr wenige Frauen sind gegenwärtig noch in der Lage, eine solche Haube zu fertigen. Die letzten, die diese Kunst vollständig beherrschten, waren die Radduscherinen Anna Knappe und Johanna Homfeldt.
Das geblümte Seidenband als Saum zeigt in Raddusch bei Festkleidern die ansehnliche Breite von 20 cm. Die Röcke selbst fand man aus Plüsch, Samt, blumigen Atlas, schwarzer, schwerster glatter Seide und feinem Tuch und in den verschiedensten Farben hergestellt - je nach wirtschaftlicher Situation der Trägerin! (s. Bedeutung der Farben)
Unterhalb des breiten Saumes wiesen die Röcke als Abschluss noch einen 1 cm breiten Saum aus gelber oder weißer Spitze auf.

In der Radduscher Chronik finden sich noch detailliertere Abhandlungen zur Tracht im Spreewald und in Raddusch; unter Trachtenalbum können Sie sich Fotos in wahlloser Folge aus den letzten 100 Jahren aus Raddusch un Umgebung ansehen. Eine immer größer werdende Sammlung stellt das "Familienalbum" dar, welches von den Radduschern immer weiter komplettiert wird.

Zusammenfassung - das Besondere der Radduscher Tracht (Bild)

  1. Ein 20 cm breites geblümtes Seidenband oberhalb des Rocksaumes
  2. Der Rocksaum als 1 cm dicke Zacken aus gelbem oder weißem Tuch bzw. aus dicker Seidenschnur
  3. Kopfhaube, aus 3 Einzeltüchern gebunden
  4. weiße Kittelchen mit weiten Ärmeln
  5. Gürtel mit Metallschnalle anstelle des sonst üblichen Taillenbandes

s.a. Bahlke: Zur niedersorbischen Regionaltracht Raddusch

Als letzte tagtägliche Trachtenträgerin gilt die 2003 verstorbene Käte Nousch, gebn. Dübsch, die allerdings die Terpter Tracht getragen hat.


Sorben oder Wenden? Mehr über den in der Lausitz und besonders im Spreewald ansässigen slawischen Volksstamm erfahren Sie unter www.raddusch-spreewald.de!

 
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