Die wendische Tracht im Spreewald

 

Detailbeschreibung Radduscher Tracht (Foto)

Die gelben Tuchzacken oder die Seidenschnur wurden nach der Jahrhundertwende bei besseren Röcken von weißer Spachtelspitze und bei einfacheren von der allgemein üblichen Besenborte abgelöst.
Eine besondere Art weist auch die Bindeweise des Radduscher Kopftuches auf. Während bis 1880 noch die sogenannte weiche Form üblich war, wobei das Kopftuch aus einem großen quadratischen Tuch gebunden wurde, kam ab der Jahrhundertwende die Bindeform aus drei Einzeltüchern auf. Bereits um 1920 war hier die endgültige Form erreicht, während das in Burg erst um 1935 der Fall war.
Weitere Besonderheiten, die die Radduscher Tracht aufwies, rühren aus der Nachbarschaft und den engen Beziehungen zum Lübbenauer Kirchspiel her. So waren die weißen Kittelchen mit weiten Ärmeln ausgestattet, während sie im übrigen Trachtengebiet eng am Oberarm anlagen. Bei der Arbeitstracht zur Wiesenernte wurde der smagatic, das Sonnenschutztuch, nicht wie anderswo über das Kopftuch gebunden, sondern direkt auf den Kopf gelegt und am Samtband festgesteckt. Die Schürzen der Ausgehtrachten besetzte man vielfach mit Borten und Kanten. Insbesondere zu Tanztrachten trugen die Mädchen anstelle des Taillenbandes einen Gürtel (teilweise handgearbeitet) mit einer größeren Metallschließe. Die Blaudruckschürzen für die Ausgangstrachten waren mit weißen Leinenbindebändern versehen, die um die Taille geführt und hinten gebunden wurden. Zum Ostersingen, das letztmalig 1942 durchgeführt wurde, trugen die Mädchen am Karfreitag grüne Röcke, schwarze Seidenschürzen, weiße Hals- und Kopftücher mit Spitzen sowie Polkajacken.
Bei den Hochzeitstrachten vor 1914 hatten die weißen Kinnschleifen und Taillenbänder der Braut blaue eingewirkte Muster.

Die Brautmütze entsprach in ihrer Form der bis um 1880 um Lübbenau gebräuchlichen, bestand aber aus Batist. Bei den Mützen der Brautjungfern bestand das Kopfteil aus besticktem Tüll und nur die Halskrausen aus mit Spitzen besetztem Batist. Zum Tanz trugen sie über der Seidenschürze eine weiße Tüllschürze, die vielfach mit schwarzen eingestickten Mustern und Pailletten verziert war.
Die Hochzeitstrachten veränderten sich nach dem ersten Weltkrieg grundlegend. Die Mützen wurden abgelegt, aber nicht wie im übrigen Trachtengebiet durch das Kopftuch ersetzt. Hier legte man der Braut und den Brautjungfern den Braut- bzw. Brautjungfernkranz direkt auf das Haar, welches schon vielfach onduliert wurde. Lediglich die "nicht ehrbare" Braut musste in der Abendmahlstracht mit dem Kopftuch ohne Kranz zur Trauung gehen.
Als letzte wendische Braut wurde in Raddusch Frau Anna Sallmann, geb. Richter, am 18. März 1939 getraut. In den Jahren 1935 bis 1937 heirateten noch in Tracht Frau Anna Konzack, geb. Lehmann und Frau Lina Wetzk, geb. Konzack.

Quelle: Lothar Balke, Das Spreewalddorf Raddusch, Domowina-Verlag, 1. Aufl., Bautzen 1994
 
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